Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf den außergewöhnlichsten Wein der Insel Elba, den Aleatico. Wir sind der Meinung, dass sein Bekanntheitsgrad nicht so groß ist, wie es ihm gebührt und haben daher die Absicht, diesen Mangel an Information aufzuholen.  So haben Sie die Möglichkeit, diesen EINZIGARTIGEN und BESONDEREN  Wein auf einer virtuellen Reise  besser kennenzulernen. Der Name des  Weines wurde durch die Rebenbezeichnung geprägt:  Aleatico.  Die Herkunft der Aleatico Rebe (Griechenland oder Elba) und des Namens (italienisch oder griechischen Ursprungs)  ist auch heute noch umstritten. Wie dem auch sei, die Wahlheimat dieses Weines ist Elba, wo er eine ganz besondere Rolle spielt.

aleatico

DER TROCKNUNGSVORGANG

Die einzigartige Charakteristik dieses Weines ergibt sich aus  seinem  Trocknungsvorgang: nach der Ernte werden die Trauben für ein paar Wochen an der Sonne getrocknet. Schon die Traubenernte ist grundlegend und wird mit viel Feingefühl vorgenommen. Die Trauben sind Ende August/erste Septemberwoche reif für die Ernte. In Erwartung eines langen Trockenvorganges werden die Trauben gut aussortiert, Schimmel und Fäulnis entfernt. Dabei  werden nur reife und gesunde Trauben verwendet. Bei der Ernte werden die Trauben in einer einzigen Schicht  (sie dürfen nicht zerdrückt werden), vorsichtig in luftdurchlässige Kisten gebettet. Noch vor ein paar Jahren fand der Trocknungsvorgang unter direkter Sonneneinstrahlung statt. Nachts wurden die Trauben abgedeckt, um sie vor Tau zu schützen.  Seit einiger Zeit wird der Trocknungsvorgang zwar im Freien vorgenommen, aber vor den Sonnenstrahlen geschützt, in Gewächshäusern ähnlichen Hallen, die an den Seiten offen sind und somit eine gute Luftzirkulation erlauben. Eine tägliche Kontrolle unter Aussortierung von Trauben, die mit Schimmel und Fäulnis behaftet oder von Insekten befallen sind, ist traditionelle Handarbeit, die unumgänglich ist und sehr effektiv, um einen Wein von höchster Qualität zu erzeugen (siehe unteres Foto, die freien Stellen der aussortierten Trauben). Nach ca. 1 Woche werden die Trauben umgedreht und der Trocknungsvorgang wird fortgeführt. Die größte Schwierigkeit stellt die genaue Bestimmung des Zeitpunktes dar  (bei jedem Hersteller unterschiedlich), an dem die Trauben weiterverarbeitet werden können. Das ist ein großer Faktor in der Herstellung des Aleatico und macht den Unterschied unter den Herstellern aus. Der Zeitraum des Trockenvorgangs wird natürlich auch von den Wetterbedingungen beeinflusst. Bei sonnigen und trockenen Bedingungen reichen unter direkter Sonnenbestrahlung 7/8 Tage, um den Trocknungsvorgang abzuschließen. Ein Trocknen unter direkter Sonnenbestrahlung kann sich allerdings schädigend auf die Trauben auswirken. Die Gefahr ist,  dass der Zuckergehalt der Trauben karamellisiert,  mit dem Resultat eines Weines mit brauner Farbe und verbranntem Geschmack (nicht angenehm). Darüberhinaus kann die schnelle Trocknung zu einem Misserfolg führen. Bei einer kurzen Trocknungsdauer entsteht ein trockener Aleatico mit hohem Alkoholgehalt, während eine zu lange Trocknungsdauer einen Most mit hohem Zuckergehalt bewirkt, was die anschließende Fermentierung (mühsame, zum Stillstand kommende, oder zu lange Fermentationszeit) beeinflussen kann, so dass der Alkoholgehalt im Frühjahr dann nur bei 3 bis 4 Grad liegt. Eine Trocknung im Schatten kann auch 3 bis 4 Wochen dauern. In diesem Fall lässt sich der Zeitpunkt der Weiterverarbeitung  besser bestimmen und der daraus gewonnene Wein erlangt höchste Qualität. Das Trocknungsverfahren kann das Traubengewicht bis zu 60% reduzieren!

DIE WEINHERSTELLUNG

Anschließend werden die Trauben entrappt, d.h. die tanninhaltigen Stiele werden entfernt, ohne die Schale der Beeren zu beschädigen. Anschließend wird in der Traubenpresse (Kelter) der Most aus den Beeren abgepresst. Innerhalb der Presse, unter dem Auslauf der Wanne, ist es notwendig, den Boden ständig mit einem Rechen zu ebnen. Nach ein paar Stunden beginnt ein dickflüssiger, zuckersüßer Saft auszutreten. Das Ergebnis ist sehr schwierig abzuschätzen, da diese dickflüssige Masse mit den üblicherweise verwendeten Werkzeugen (Densimeter, Refraktometer) nicht abgemessen werden kann, denn das Ergebnis liegt außerhalb deren Skalenwerte. Man benötigt einen Densimeter für konzentrierten Most mit einer Skala von 1.000/1.300.

Ist der Fermentationsbeginn zu mühsam, kann man diesen auch mit frischen Trauben, die an den Weinstöcken gelassen und sehr spät geerntet wurden, unter „pied de cuve“ (Fermentationsstarter) und Beigabe von ausgesuchter Hefe starten. In einem Zeitraum von 1-2 Tagen beginnt dann langsam und kontinuierlich die Fermentation. Die Maischegärung wird nicht über 5-6 Tage ausgedehnt. Mit dem Abstrich des Mostes wird der Trester getrennt. Die beim Pressen gewonnene Flüssigkeit wird dem Most beigefügt – ohne Zugabe des letzten Rückstandes. Die Fermentierung wird über den Winter (im Winter ist es auf Elba in der Regel weniger kalt) abgeschlossen.

Der eine oder andere Hersteller vermarktet seinen Aleatico bereits im kommenden Frühjahr nach der Weinlese, andere Hersteller erst im Jahr darauf, so dass der Wein 2 oder mehrere Jahre lang  in alten Holzfässern reifen kann. Durch diese Reifezeit erhält der Wein sein durch die Sinne wahrnehmbares Profil. Dadurch wird der Geschmack des Weines jedoch entscheidend komplexer. Der Verlust des Charakters (frisch und aromatisch), der den Wein bekannt gemacht hat, geht dabei verloren.

Wir halten uns bei der Herstellung des Weines noch an die Regeln der  „der alten Schule“. Der Aleatico Wein, den ich schon als Kind kosten durfte, hatte die aromatischen Nuancen, die ich auch heute noch   bei dem klassischen jungen Aleatico genießen kann.  Die Flaschenabfüllung und die notwendigen biologischen Stabilisatoren  bereits wenige  Monate nach der Weinlese,  bringen unterschiedliche Probleme mit sich. Vor der Abfüllung ist eine sterile Filtration unumgänglich, denn nur auf diese Weise gewinnt man einen Aleatico und keinen  ‚Lambrusco‘ (es ist eine Frage der erneuten Fermentierung in der Flasche). Bei einem  hohen, blockierenden Gehalt an Zucker, Pektinen und Kolloiden ist die Filtration äußerst schwierig. Diese Probleme fallen jedoch aus, wenn die Vermarktung um ein oder zwei Jahre verzögert  wird,  während der ein großer Teil dieser ‚blockierenden‘  Substanzen während der Reifezeit entschwindet und so eine problemlose Filtration ermöglicht. Der einige Jahre lang gereifte Aleatico hat einen komplexeren aromatischen Gehalt. Meiner Meinung nach verliert sich diese besondere Charakteristik, die den Aleatico unter vielen Weinen unterscheidet, leider immer mehr und  bleibt eine Erinnerung meiner Kindheit.

Caratteristiche:

– colore rosso rubino carico
– odore intenso e caratteristico
– sapore dolce, armonico e ricco di corpo
– titolo alcol. tot. minimo pari al 19% di cui 12% svolto.
– acidità totale minima 6,0 per mille
– estratto secco netto minimo pari al 35 per mille

Diplomlandwirt Italo Sapere